Wie in einer anderen Welt.. Besuch eines Townships

Heute, schon der vierte Tag hier in Kapstadt, sollte ich wieder an einer geführten Tour teilnehmen. Eigentlich war das Programm für heute eine Stadtrundfahrt mit anschließendem Besuch des Tafelbergs.. Daraus wurde jedoch leider nichts, da das Wetter dafür heute nicht so mitspielte.. Da es heute sehr wolkig ist, ist es eben auch keine gute Idee auf den Berg zu steigen, denn somit wäre die Sicht nicht so toll gewesen. Planänderung . Heute morgen ging es also los in ein Museum und ein Township.

Zur Erklärung:  Unter einem Township versteht man eine Wohnsiedlung, die damals während der Rassentrennung in Südafrika (Apartheid) errichtet wurde.Diese Wohnviertel wurden eingerichtet für die schwarze, die farbige und die indische Bevölkerung..


Wir besuchten zuerst das District Six Museum, indem wir erfuhren welche Auswirkungen die damaligen Gesetzte der Rassentrennung auf die farbige Bevölkerung hatte. Das District Six Museum kann man auch beschreiben als eine Fotoausstellung über die gewaltsame Vertreibung der Bewohner dieses Stadtteils von Kapstadt zur Apartheidzeit.


Danach ging es los zu dem Township 'Langa', welches das älteste Township in Südafrika ist. Es ist wirklich sehr krass zu sehen, wie dort die Menschen leben (müssen). Die Häuser in denen die Leute dort wohnen würden wir nicht als Häuser bezeichnen. Alles ist dort sehr heruntergekommen, man merkt dass die Regierung kein Geld in das Township steckt und die Menschen auf sich alleine gestellt sind. Der Müll liegt auf der Straße und am Straßenrand überall herum. Die Menschen dort freuen sich aber sehr wenn sie Touruistengruppen wie uns sehen, denn sie hoffen natürlich,dass wir etwas kaufen. An jeder zweiten Ecke befinden sich nämlich ein zwei große Tische auf welchen selbstgemachter Schmuck oder Bilder oder Skulpturen stehen, die einen alle angedreht werden.. (Eine Art Markt)

 Wenn man an einer Sache wirklich interessiert ist, sollte man auf jeden Fall versuchen zu handeln.Denn oftmals wird versucht, den naiven und unwissenden Touristen das Geld aus der Tasche zu locken, indem viel höhere Startpreise genannt werden, als das Objekt tatsächlich wert ist

Die kleinen Stände mit den Souvenirs waren teilweise echt richtig cool, aber wir hatten zu wenig Zeit um uns die Sachen in Ruhe anzuschauen und die Preise runter zu handeln.. echt schade...


Außerdem hat uns unser Guide ausdrücklich gesagt, dass wir den Kindern auf der Straße kein Geld geben sollen, auch  wenn sie einen nett und süß anschauen. Er meinte dadurch würde eine Art 'Bettelgesellschaft' entstehen. Denn wenn die Kinder einmal wissen, dass man auch ohne zu arbeiten relativ einfach und unkompliziert an Geld kommen kann, würden sie aufhören in die Schule zu gehen. Somit würde der Teufelskreis von Armut, Betteln und Arbeitslosigkeit aufgrund mangelnder Bildung nie aufhören..


Wir durften ein Haus besuchen in denen mehrere Familien zusammen leben.. Es war einfach unvorstellbar, dass in einem kleinen Zimmer 9 Personen leben müssen. Zum Beispiel standen in einem Zimmer drei Betten. Das bedeutet in diesem Zimmer leben drei Familien. Jetzt muss natürlich auch bedenken, dass in einer Familie mehrere Kinder sind.. Alle Mitglieder einer Familie schlafen also in einem (!) Bett. und nein es handelt sich dabei nicht um ein großes Doppel- oder Etagenbett, sondern um mehrere aufeinandergestapelte Matratzen.. Ich fand es wirklich sehr interessant, auch mal eine andere Seite von Kapstadt kennen zu lernen und man überlegt danach wirklich, warum wir uns in Deutschland Gedanken um das neuste I phone oder das schnellste Auto machen, wo doch hier die Kinder mit alten Schuhen und kaputten Autoreifen spielen müssen.. Elektrizität gibt es in den Häusern, welche aber nur sparsam genutzt werden kann. Toiletten befinden sich entweder draußen oder in den Häusern. Das 'Badezimmer' muss dann aber von allen Familien gemeinsam benutzt werden.. Es gibt nur eins.


In einem der Häuser, die wir besucht haben, habe ich eine Frau in einem Schlafzimmer angetroffen und mit ihr ein bisschen geredet. Das Zimmer, indem sie, seit sie Kind ist lebt, muss sie sich mit 6 andere Personen teilen. Ihre Familie besteht aus ihr und ihren zwei Kindern. Sie teilen sich zusammen ein Bett. Das andere Bett gehört einer vierköpfigen Familie. Diese teilt sich auch ein Bett. Ich habe sie gefragt, wie  man denn so leben kann,  ob es nicht schwierig ist, ob sie nicht umziehen könne.. Sie sagte mir, dass sie  keine Arbeit habe , weil sie sich als alleinerziehende Mutter um ihre beiden  Kinder kümmern müsse. Somit habe sie kein Geld zum Umziehen. Es sei sehr schwierig mit so vielen Personen in einem Raum zu leben, aber sie kenne es nicht anders. Wenn der Mann und die Frau mal ihre Ruhe haben wollten um vielleicht 'ein neues Kind zu machen', würden sie Bettlaken und Handtücher an der Decke befestigen. Da musste ich etwas schmunzeln, obwohl  es eigentlich garnicht witzig ist..  Traurig wenn man sich erst so etwas Privatsphäre schaffen kann..


Danach besuchten wir ein anderes Wohnhaus. Mit den umliegenden Wohnhäusern wird diese Ecke im Township als das 'Beverly Hills von Langa' genannt.. Diese Häuser sind etwas größer und es leben nur ein oder zwei Familien drinnen. Außerdem ist rund um die Häuser jeweils eine hohe Mauer und als sei das nicht schon genug, auch noch ein Zaun. Außerdem sind vor allen Türen und Fenstern Gitter.. Ich könnte niiie so leben. Da fühlt man sich doch wie eingesperrt, wie im Gefängnis. Da will man aus dem Fenster schauen, aber die Sicht nach draußen wird durch Gitterstäbe erschwert... Unvorstellbar für mich.Jedoch hier ein notwendiges 'Haussouvenir', als Schutz vor Einbruch und Dunkelheit.


Ich fand es wie gesagt sehr interessant auch IN die Häuser zu gehen, doch auf der anderen Seite hatte ich auch ein schlechtes Gewissen.. Immerhin wohnen dort Menschen drinnen, die zum Teil auch dort waren. Ich kam mir etwas vor wie im Zoo... Wir waren eine Gruppe von ca. 12 Touristen. stellt euch vor, 12 fremde Mensche laufen durch eurer Zuhause hoch und runter, machen von allem Bilder, fassen alles an, fragen einen aus... ich fühlte mich dann schon etwas schlecht, aber ich glaube sie bekommen auch etwas Geld dafür.. Ich hoffe es zumindest!

 Achja zum Thema Geld... unser 'Führer' hat uns wie gesagt ausdrücklich verboten den Kindern Geld zu geben.. Wir hatten aber zwei so richtige Schnösel, ein chicki micki Ehepaar (ich meine welcher normale Mensch läuft mit Ipad, Iphone, fetter fetter fetter Spiegelreflexkamera und weißen Markenklamotten durch ein von Armut geprägtes Township??? ). Naja die meinten natürlich, sie müssten dem Rat, oder auch schon 'Befehl' unseres Führer,(niemandem Geld zu geben) nicht ernst nehmen und drückten einem kleinen Mädchen ein paar Scheine in die Hand. Auffällig unauffällig sag ich  nur.. Als unser Gruppenführer dies bemerkte, bekamen sie etwas Anschiss.. Also ich fand's gut! :D Was aber meiner Meinung nach richtig unmöglich war, war dass die beiden einfach Fotos von den Kindern und den Erwachsenen auf der Straße gemacht haben OHNE sie vorher zu fragen.. ich meine das macht man doch nicht, oder?!


Auf dem Rückweg sind wir alle in einen 'Pub' gegangen. Was heißt hier Pub.. es war eigentlich ein Raum, in einem großen Container drinnen, mit ein paar Stühlen und Bänken und zwei drei große Fässer. Dort hatten wir nämlich die Möglichkeit das traditionelle ''Umqomboti'' Bier zu probieren. Dieses war in einem großen Kanister mit ganz viel Schaum. Das Bier ging dann einmal herum und alle die wollten, konnten probieren.. Ich wollte natürlich auch mal probieren. Ich denke ich hab größenteils eh nur den Schaum getrunken, aber das hat  mir schon gereicht.

Es war wirklich sehr bitteres Bier, auf jedenfall nichts für mich!!


Das Highlight  unser Township Tour war der kurze aber sehr schöne Besuch einer Township Grundschule. Ich kam herein  und wurde von den Kindern fast zu Boden geworfen. Ich schwöre! Diese kleinen Gestalten kamen zu dritt oder viert auf mich zu gelaufen, umklammerten meine Beine,packten meine Arme, wollten Huckepack, mir das zeigen, mir jenes zeigen.. Oh mein Gott die Kinder waren soooo soo soo soo so sooo soo süß! Es hat voll Spaß gemacht mit ihnen ein bisschen zu spielen.. einem kleinen Jungen lief der Schnodder nur so aus der Nase und ich wollte ihm ein Taschentuch geben, doch die anderen Kinder rissen es mir aus der Hand und wollten lieber damit spielen.. Also hab ich ihm im zweiten Anlauf selber die Nase geputzt... so süß! Ich hätte so gerne ein oder zwei Kinder mitgenommen, aber überall hier im Township ist die Polizei und Security unterwegs, und ich wollte keinen Stress anfangen...


Insgesamt war es also wieder ein ausgesprochen gelungene Tour heute! Jetzt ist es gerade mittags hier und ich weiß noch nicht was ich noch machen werde.. ich entscheide spontan. 

Jetzt ein paar Fotos ;)


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