Meine ersten Tage in Durbanville

meine ersten Tage hier  in Durbanville waren sehr aufregend und ich habe schon vieles erlebt. Ich bin zwar kaum zum Schlafen gekommen, habe mich bis jetzt fast nur von Salat und Cornflakes ernährt und meinen ersten Sonnenbrand (am Ohr :/ ) gehabt, aber ansonsten bin ich sehr glücklich hier!

Am Montag hatte ich um 12 Uhr mein erstes Meeting. Dort sind dann alle neuen, als auch ‚alten‘ Volontäre zusammen gekommen. Dieses Treffen ging nur ca. eine halbe Stunde und war sehr informativ. Ich habe eine Mappe bekommen, in denen viele Unterlagen waren mit den Regeln, Arbeitszeiten, Urlaub, die Geschichte des Kinderheimes und vieles mehr. Viele Formulare musste ich unterschreiben oder ausfüllen, andere Blätter sollte ich dann behalten. Auf dem Meeting habe ich dann gleich erfahren, wann ich das erste Mal arbeiten sollte, was sich noch als Problem herausstellen sollte…


Und zwar ist das hier so, dass man abwechselnd in der long week und in der short week arbeitet. Long week bedeutet, dass man Montag, Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag arbeiten muss. Mittwoch und Donnerstag hat man dann frei. Short week bedeutet, dass man nur am Mittwoch und Donnerstag arbeiten muss und die restlichen fünf Tage der Woche frei bekommt. Eigentlich finde ich das richtig cool, denn so verbringt man nicht die ganze Woche im Kinderheim, sondern hat auch noch genügend Zeit Ausflüge und Touren zu machen, shoppen zu  gehen, sich an den Strand zu setzen oder einfach mal nichts zu tun..

 

 Arbeiten tut man dann entweder Day Shift oder Night Shift. Alle neuen Volontäre arbeiten die erste Zeit in der Night Shift.. Bei  mir ging es diese Woche los mit der short week, also Mittwoch und Donnerstag arbeiten, die restlichen Tage frei. Aaaaber ich hatte mir vor ein paar Tagen für Mittwochabend eine Konzertkarte  gekauft.. Und wisst ihr für wen??!! Für EMINEM !! EMINEM EMINEM EMINEM!! Er gibt/ gab nämlich zwei  Konzerte hier in Südafrika; einmal in Johannesburg und einmal hier in Kapstadt. Und da wollte ich natürlich auf jeden Fall hin, vor allen weil die Karten so günstig sind.. Viele Freiwillige von dem Kinderheim hatten auch  schon die Tickets gekauft und ich wollte dann mit ihnen zusammen fahren.. Golden Circle.. Erste Reihe.. Aber nein, ich sollte am Mittwoch arbeiten.. Ich hab’s natürlich nicht einsehen können, dass ich mich die ganze Zeit um sonst gefreut habe und das Geld zum Fenster heraus geworfen hätte, also musste ich mit der Managerin reden.. Das kam natürlich nicht so gut an, direkt am ersten Tag quasi ‚Urlaub‘ einzureichen, aaaber sie hat mir zum Glück (!!!) frei gegeben :)))

 

Damit war das Konzert, aber auch der restliche Montag, gerettet! Ansonsten habe ich am Montag nicht mehr so viel gemacht, am späten Nachmittag bin ich mit meinem Laptop ins Internetcafé gegangen und habe mit meinen Liebsten daheim geskypt.. Das war sehr schön! <3


Am Dienstagmorgen bin ich mit meiner Zimmermitbewohnerin Mathilde nach Kapstadt gefahren. Komischerweise haben wir dieses Mal fast zwei Stunden gebraucht.. Ich schätze mal, dass es selbst dem Zug an diesem Tag zu heiß war.. Wir sollten wieder mit 30 Grad konfrontiert werden.. In Kapstadt wollte ich dann zum  Friseur gehen und mir wieder eine neue Frisur machen. Nachdem ich ein paar Salons  (um die Preise zu vergleichen) abgeklappert habe, habe ich mich dann, was ein Wunder,  für den günstigsten entschieden. Dort saß ich dann ganze drei Stunden, während Mathilde etwas shoppen und an der Promenade spazieren war. Es war echt sehr anstrengend, denn es wurde heißer und heißer, zwei Frauen haben an meinen Haaren rumhantiert, mal sollte der Kopf etwas mehr nach rechts, mal etwas nach vorne… Kein Wunder, dass ich später dann ziemliche Kopfschmerzen hatte. Naja, es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich bin zufrieden und kann die nächsten Wochen ein paar Minuten länger schlafen, weil ich nicht mehr tausend Stunden lang meine Haare kämmen und einkremen muss..

 

Nachdem ich endlich fertig war, sind Mathilde und ich noch runter  zum Strand gegangen um ein paar Fotos zu machen. Dort haben wir dann eine echt verrückte Frau getroffen.. Soreya ist ihr Name. Sie ist bestimmt schon 30/40 Jahre alt, aber sie hat sich verhalten wie ein Teenager. Ich habe sie gefragt, ob sie ein zwei Fotos von uns machen könnte, was sie aber scheinbar anders verstand. Soreya hat daraus ein richtiges Fotoshooting gemacht, wollte, dass wir richtig posen, mal so stehen, mal so, mal mit Sonnenbrille, mal ohne. Es war einfach soo lustig. Einen kleiner Schreck habe ich dann aber bekommen, als ich ihren Sonnenhut aufsetzen sollte (ich wollte ihn ja gar nicht aufsetzen..) und er mir dann wegg eflogen ist, weil es so windig war.. Davor hatte sie mich noch extra gewarnt, ich solle ja gut drauf aufpassen, weil er so teuer  war.. und dann nach dem zweiten Foto ist er einfach weg geflogen! Sie  nur so ‚go go go go go go  go‘. Ein Glück, dass er nicht im Meer gelandet ist, sonst wäre ich jetzt  um ein paar Scheinchen ärmer :P

 

Nachdem wir uns köstlich amüsiert haben, mussten Mathilde und ich uns aber auch mal wieder auf den Rückweg  machen, diesmal ein bisschen unter Zeitdruck, weil ich kurzfristig erfahren habe, dass ich  um 18.15 Uhr wieder ein Meeting habe..

Am Mittwoch habe ich mir den ganzen Vormittag mal eine Auszeit von all den Leuten herum genommen und bin bewaffnet mit Reiseführern, Ipod, Weintrauben und Picknickdecke auf dem Gelände hier so lange herum gelaufen, bis ich schließlich einen netten, ruhigen und vor allem schattigen Platz gefunden habe. Im Schatten war es zwar auch kaum auszuhalten, aber dennoch war es ziemlich nett, ein paar Stündchen mal wieder für sich alleine zu sein und sich etwas auszuruhen..


Ich merke hier so langsam, dass sich die Arbeit wie Einkaufen, Kochen, Kleidung waschen und Zimmer sauber und aufgeräumt halten nicht von alleine macht.. Natürlich habe ich vieles auch in Deutschland selber gemacht, aber mit  dem Kochen tue ich mich noch  verdammt schwer… Ich kann zwar  jeden Tag meinen Teller in der Küche abgeben und bekomme dann zum Mittagessen immer eine warme Mahlzeit, aber das Essen ist jetzt nicht soo gut, und zwischendurch hat man immer mal Hunger.. Viel Platz im Kühlschrank gibt es auch nicht, also kaufe ich meistens immer nur für ein paar Tage ein..


Naja aber mein eigenes Besteck habe ich mir schon zugelegt. Für die nächsten sechs Monate, fand ich das schon eine ganz gute (und günstige) Investition.. Hab jetzt also meinen eigen Teller, (Cornflakes-)Schüssel, Glas, Tasse, Messer, Gabel und Löffel. Dann weiß ich zumindest vor dem Essen immer, dass alles sauber ist:D


Gegen 18 Uhr habe ich mich mit drei anderen Mädels mit dem Auto auf den Weg nach Kapstadt gemacht. Die Straßen waren so überfüllt, erstens war gerade Rush-Hour Time, zweitens waren wir wohl nicht die einzigen auf den Weg zum Stadium… Die Stimmung  war während der Fahrt sehr gut, wir waren alle derbe aufgeregt und haben die ganze  Fahrt lang (ganz laut) Eminemlieder zum Einstimmen gehört.. Wir sind rechtzeitig angekommen und haben einen guten Parkplatz gefunden. Wir mussten zuerst ein paar Sicherheitskontrollen passieren und haben dann erstmal etwas herumgeirrt, auf der Suche nach dem Eingang zu unserer Area. Wir waren dann so gegen halb acht im Stadium und die weiteren 1.5 Stunden bis zum Konzertbeginn sind sehr schnell umgegangen. Das Konzert kann man gar nicht beschreiben… es war wirklich einfach der absolute HAMMEEEEER !!! Es war so unglaublich toll! Die Stimmung war während des gesamten Konzertes mega gut, alle haben mitgesungen bzw. mitgerappt, getanzt.. Das coole war, dass Eminem alte als auch neue Lieder gespielt hat.. Er hat auch ein paar Lieder gesungen, die er im Original mit Rihanna singt, wie zum Beispiel „Love the way you lie“ oder „Monster“.. Die Frau die den Part von Rihanna übernommen hat, sah ihr echt total ähnlich und hatte auch eine ähnliche Stimme… Da Rihanna aber schon im Dezember hier war und Eminem sie auch nicht angekündigt hat, war Rihanna als Special Guest wohl leider doch nicht dabei.. Aber egal, ich glaube noch mehr Adrenalin, hätte mein Körper eh nicht standhalten können… :D


Nach dem Konzert waren wir natürlich in bester Stimmung und haben den Abend, bzw. die Nacht, in einem Irish Pub in der Waterfront ausklingen lassen. Es war wirklich ein toller Abend, einen besseren Start hier in Südafrika hätte ich mir kaum vorstellen können ;-)


Eine Freundin, die mit mir auf dem Konzert war, hat ganz viele Fotos gemacht, die ich dann demnächst mal hochladen werde..

Am Donnerstag habe ich dann, nach gefühlten Monaten, endlich mal wieder so richtig ausgeschlafen.. Aber egal, wie lange man sich auch in sein Bett kuscheln möchte, ab 11  Uhr ist es einfach so heiß im Zimmer, da muss man einfach aufstehen.. An dem Tag habe ich dann auch endlich meine Schlüssel bekommen!! Ich hatte nämlich bis dato noch keine, denn die Frau, die dafür verantwortlich ist, war krank. Somit musste ich quasi immer hoffen und beten, dass jemand „zuhause“ ist, und mir die Tür öffnen kann.. Erstens natürlich von meinem Appartement und zweitens vom Gate.. Denn ab 19 Uhr sind die Tore rund um das Kinderheim geschlossen, sodass man nur noch mit einem speziellen „Remote“ reinkommt.


Später bin ich dann runter in die Stadt gegangen um eine Wäscherei zu suchen.. Die anderen zwei Alternativen sehen nämlich wie gefolgt aus: entweder per Hand waschen, wie es meine Zimmermitbewohnerin Mathilde tut.. worauf ich jedoch keine Lust habe :D oder seine Sachen hier in die Wäscherei des Kinderheimes zu bringen.. Dort darf man aber nicht seine Unterwäsche waschen… Also zog ich mit ‘nem vollen Kleidersack durch die Straßen, auf der Suche nach einer Wäscherei.. Habe dann auch eine (hoffentlich gute) gefunden.

Heute wollte ich außerdem endlich mal etwas gescheites essen, also habe ich heute das erste Mal.. nennen wir es mal „gekocht“… Chickenwings, mit Kartoffeln, Sauce und Salat. Es war eigentlich ganz lecker, auch wenn die Kartoffeln noch stein hart waren… Das Nervige nach dem Essen ist halt das Abspülen.. von einer Spülmaschine können wir nur träumen und deswegen die Pfanne und den Topf (per Hand) schön abschrubben und abspülen.. Das wird auf jeden Fall nicht in die Liste der Top Ten meiner Lieblingsbeschäftigungen eingetragen :-p

Das einzige was ich eigentlich wirklich gut machen kann, sind Crèpes.. Haben aber leider keinen Mixxer, also wird daraus auch nichts^^



Am Donnerstag hatte ich außerdem meinen ersten Arbeitstag.. Night Shift beginnt um halb neun abends und geht bis ca. 6 Uhr morgens.. Ich war schon total aufgeregt, die anderen fanden es natürlich sehr witzig.. für die ist das ja nichts neues mehr.. Ich bin dann mit Katie und Mathilde ins Nachbarhaus gegangen um zu erfahren, in welchem Haus ich arbeiten werde.. Da wir zurzeit anscheinend zu viele Volontäre in der Nachtschicht sind, bin ich jetzt mit Katie im selben Haus. Ich  weiß nicht, ob sich das noch ändern wird, oder erstmal so bleibt. Wir haben uns dann jeweils eine Matratze geholt und uns in den Gang gepflanzt.. die ganze Nacht sollten wir also hier bleiben und uns  um diejenigen Kinder kümmern, welche nachts mal aufwachen, zur Toilette wollen oder Alpträume haben.. eigentlich recht unspektakulär.. Ich war froh, dass ich  mit Katie zusammen  war, so verging die Zeit schneller und ich konnte mit jemanden reden…


 Ich war ansonsten die ganze Zeit am Laptop, hab Musik gehört, einen Apfel gegessen.. Mein Handy hat sich nachher als sehr unnützlich erwiesen, da mir doch tatsächlich mein Ladekabel kaputt gegangen ist… Ich werde heute mal die Stadt nach einem Handyladen abklappern.. Drückt mir die Daumen!


Richtig spannend wurde es dann, als gegen 2 Uhr nachts ein kleines Mädchen plötzlich im Flur stand.. Katie und ich haben uns so erschrocken.. Dann mussten wir sie halt zurück  ins Bett bringen, und neben ihr sitzen bis sie eingeschlafen war. Das hat leider nie so wirklich geklappt, sie stand bestimmt noch dreimal im Flur.. Gegen 3 Uhr bin ich dann kurz eingeschlafen und wurde um 5 Uhr von zwei Jungen geweckt, die auf meiner Matratze rum gesprungen sind..Ab 5 / 5.30 Uhr waren sowieso alle Kinder wach, vor allem die Jungs waren schon total aktiv, sind rumgelaufen, rumgesprungen und haben rumgeschrien.. Katie und ich waren sehr froh, als wir gegen viertel nach sechs endlich von der Day Shift abgelöst wurden, und nach Hause ins Bett konnten.. Aber alles in einem fand ich es gar nicht so schlimm, wie  es alle meinen, und freue mich schon auf die nächste Night Shift..

Jetzt heißt es aber erstmal SCHLAAAAFEN

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